"Gnadenstuhl" - Dreifaltigkeits-Darstellungen in Osttirol (ab 1452)

Andachtsbilder dienen dazu, das Gemüt des Betrachters anzuregen und ihn in seinem Glauben und seinem Gebet zu unterstützen. Doch auch die meditativ oder anschaulich gestalteten Gemälde und Skulpturen unterlagen im Verlauf der Jahrhunderte ikonografischen Veränderungen, was sowohl auf gesellschaftspolitische als auch theologische Ursachen zurückgeführt werden kann.

Gnadenstuhl- oder Dreifaltigkeits-Darstellungen sind seit dem 12. Jahrhundert bekannt. Dabei handelt es sich um Abbildungen, auf denen Gottvater, auf dem Himmelsthron sitzend, seinen für die Menschen verstorbenen Sohn präsentiert. Auf vielen Wiedergaben sind auch der Heilige Geist und Engel zu sehen. Auf einer Sonderform des Gnadenstuhls wird Gottvater mit dem Kruzifix festgehalten. Seltener und meistens später entstanden sind jene Darstellungen, auf denen Gottvater den Leichnam Christi der Welt zeigt. Bei den älteren Abbildungen geht es um eine Darstellung des christlichen Erlösungsgedankens, wohingegen der Leichnam Christi auf den jüngeren Wiedergaben vor allem das Mitgefühl des Gläubigen hervorrufen soll.


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