Schützenscheibe - bäuerliches Hochzeitsschießen (1891)

Im Archiv des Tiroler Kunstkatasters befindet sich eine Dokumentation über eine bemalte Schützenscheibe aus einem Bauernhaus in der Umgebung von Kitzbühel. Die volkstümliche Ölmalerei auf der kreisrunden Holztafel nimmt Bezug auf ein Hochzeitsschießen aus dem Jahr 1891. Die Widmung auf einem Spruchband am oberen Rand der Scheibe erläutert den Hintergrund des Anlasses: "Erinnerung an das Hochzeitschießen des Herrn Johann Ehn und der/ Frau Nothburga Ehn geb: Doll; am 8. u. 9. August 1891."

Das Brautpaar ist im linken unteren Bildteil in Hochzeitstracht dargestellt. Der Bräutigam dreht sich mit einladender Geste zur Braut und weist ihr mit der Hand den Weg zum künftigen gemeinsamen Hof. Das Bauernhaus ist vor der Landschaftskulisse des Kaisergebirges bewusst in die Bildmitte platziert, um auf den Stellenwert bäuerlichen Besitztums hinzuweisen. Erst durch diese materielle Absicherung wurde die Möglichkeit für eine Heirat geschaffen. Diesen sozialen Aspekt reflektiert der gereimte Spruch am unteren Bildrand: "In Bosnien als Jäger,/ Jetzt Bauer in Tirol/ Dö Burgl mei Bäurin,/ Erst jetzt gfalz ma wohl."


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