"Anna selbdritt" - plastisches Andachtsbild mit Anna, Maria und dem Jesuskind (1515 - 1520)

Die Kunstgeschichte von Imst kann auch als ein Stück Kirchengeschichte betrachtet werden. Eine Figurengruppe mit der interessanten Fachbezeichnung "Anna selbdritt" befand sich ursprünglich am gotischen Annenaltar der Pfarrkirche und wird heute im Museum im Ballhaus aufbewahrt. Die Plastik stammt von Jörg Lederer (ca. 1470-1550 in Kaufbeuren), der sie - genauso wie ein Pendant in der Pfarrkirche von Reutte - in der Zeit zwischen 1515 und 1520 schuf.

In der christlichen Malerei und Plastik ist Anna selbdritt die Bezeichnung für einen Kompositionstyp, bei dem die heilige Anna, die Muttergottes und das Jesuskind zu einer Darstellungseinheit zusammengeführt werden. Das Motiv gehört zur Gruppe der Andachtsbilder und war im späten Mittelalter im deutschsprachigen Raum besonders häufig. Dem gläubigen Christen dienen Andachtsbilder als Anregung für das Gebet. In ihrer Anschaulichkeit erfüllen sie den Zweck, das Mitgefühl des Betenden zu wecken. Im Fall des Bildthemas der Anna selbdritt richten sich Andacht und Mitgefühl auf das Prinzip der Mütterlichkeit und auf die Schmerzen, denen die Mütter Anna und Maria angesichts des späteren Leidens Christi ausgesetzt sein sollten.


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