Eidechse, Kröte und Schlange - plastische Vergänglichkeitssymbole an der Friedhofskapelle in Schwaz (1504-1506)

Die Friedhofskapelle zu den Heiligen Michael und Veit in Schwaz gehört zu den sehenswertesten Sakralbauten aus der Gotik in Tirol. Ihr Bau geht auf Christof Reichartinger (um 1450-1514), Sohn des Innsbrucker "Hofwerkmeisters" Hans Reichartinger (gest. 1469/1470), zurück. Seine Aufgabe bestand nicht so sehr in der architektonischen Lösung eines Baues, sondern vielmehr in seiner dekorativen Ausgestaltung mit Steinmetzarbeiten. Nichtsdestoweniger ist auch das Gebäude der Schwazer Friedhofskapelle ein bemerkenswertes Baudenkmal: Es verfügt über zwei Ebenen mit je einer Kapelle. Der Schutzheilige des unteren Sakralraumes ist der Erzengel Michael. Als "Seelenführer" geleitet er die Verstorbenen an den Ort der Verheißung (= das Paradies). Der obere Raum ist dem insbesondere als Feuerpatron verehrten Veit geweiht. Der hl. Veit soll in einem Kessel gekocht worden sein, diese Qual aber unbeschadet überstanden haben, weshalb er als Fürsprecher der im Schwazer Bergbau tätigen Schmelzer galt. Beide Kapellen verbindet eine Stiege, die der zuletzt umgesetzte Bauteil war. Der Handlauf der Treppe ist mit spätgotischen Steinmetzarbeiten verziert, darunter auch ikonografischen Seltenheiten, nämlich zwei Kröten, einer Eidechse und einer Schlange.


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