"Ecce-homo" oder "Schmerzensmann" - figürliche Darstellungen des gegeißelten Christus (ab 1735)

In der abendländischen Kunst ist die Darstellung des leidenden Christus - auch als "Schmerzensmann" bezeichnet - auf Gemälden und Skulpturen ein geläufiges Thema. Hinter dem Begriff verbirgt sich der aus der Byzantinischen Kunst stammende Bildtyp des "Imago pietatis" (lateinisch "Andachtsbild"). Andachtsbilder mit der Darstellung des leidenden Christus sind seit dem Mittelalter bekannt und gelangten wohl mit den Kreuzfahrern bzw. über die Handelswege der Venezianer nach Europa, wo sie aber nicht nur im Bereich der Hochkultur, sondern auch in der Volkskunst weite Verbreitung fanden. Andere Bezeichnungen für Schmerzensmann sind "Erbärmdechristus", "Not Gottes", "Miserikordienbild" oder "Misericordia Domini". Ursprünglich handelte es sich bei den Abbildungen um Meditationsbilder, auf denen Christus als Halbfigur in seinem Grab (Sarkophag) aufrecht stehend als Sieger über den Tod dargestellt wurde.

Manchmal vermischen sich diese Darstellungen auch mit dem "Ecce homo"-Motiv. Im Unterschied dazu handelt es sich dabei um Abbildungen von Christus als Gegeißeltem ohne Wundmale. Das Bildschema verweist auf die Bibelstelle im Johannesevangelium (Joh. 19,5), in welcher der gefolterte Gottessohn von Pilatus dem Volk vorgeführt wird. Pilatus stellt den in einen roten Purpurmantel gehüllten und eine Dornenkrone tragenden Jesus mit folgenden Worten vor dem Volk zur Schau: "Seht, da ist der Mensch!" (lateinisch "Ecce homo!").


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