Kupferstiche nach Callot-Figuren - "Margl Wolkenthoulerin" und "Christl Vestnbalkh" (1716)

In den einheimischen Kunstsammlungen hat sich auch allerhand Groteskes erhalten, z.B. Kupferstiche mit zwei tirolerisch anmutenden Figuren, die sich "Margl Wolkenthoulerin" und "Christl Vestnbalkh" nennen. Laut Begleittext handelt es sich bei Margl um eine "Mayr-Thirn auff der grossn Olbm im Zillersberg" (= Magd auf der Alm) und bei Christl um einen Tiroler Burgschützen, der beim französisch-bayerischen Einfall 1703 gekämpft hat.

Schon auf den ersten Blick ist an den Abbildungen auffallend, dass sie einen besonders derben Humor widerspiegeln. Die Blätter gehen auf schon im 17. Jahrhundert entstandene satirische Stiche des französischen Zeichners Jacques Callot (1592-1635) zurück, nach dem der Begriff der "Callot-Figuren" geprägt wurde. Diese fanden entweder als Drucke, Serien aus Porzellan oder Plastiken für Parks weite Verbreitung. Die "Erfindung" der zwergenhaften, verwachsenen oder deftig-humoresken Gestalten geht auf Aufträge der Medici zurück, an deren Hof sich Callot für längere Zeit aufhielt. Ungefähr hundert Jahre später erschienen in Amsterdam die ersten Callot nachempfundenen Radierungen. Zeitgleich wurden weitere Kopien und Interpretationen seiner Figuren auch in Augsburg aufgelegt.


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