Bodenstanduhren - Schwarzwälderuhren im Defereggental? (um 1900)

Selbst in entlegenen Regionen Tirols haben sich Kunstwerke erhalten, die nicht nur aufgrund der Qualität ihrer Gestaltung, sondern wegen der Rahmenbedingungen ihrer Entstehung beachtet werden sollten. Zwei Bodenstanduhren aus dem Defereggental sind typische Beispiele dafür, weil sie mit Uhrwerken aus dem fernen Schwarzwald ausgestattet wurden. Heute zieren sie Stuben in St. Jakob im Defereggental.

Die Geschichte des Defereggentals war von Not und Hunger geprägt. Verursacht durch eine krasse Übervölkerung, entwickelte sich hier eine regelrechte "Hausiererepoche". Vor allem im Winter war es notwendig, die Zahl der Esser zu verringern, weshalb die Männer gezwungen waren, außerhalb des Tales Verdienstmöglichkeiten zu suchen. Grundsätzlich war für die hier Ansässigen eine "temporäre Emigration" kein gänzlich unbekanntes Phänomen, weil die Deferegger durch die politische und kirchliche Zugehörigkeit zu Virgen bzw. Matrei in Osttirol für Erledigungen oft den heimatlichen Hof verlassen mussten. Zu den von den Osttiroler Wanderhändlern angebotenen Waren gehörten neben Decken und Wetzsteinen bald auch Schwarzwälderuhren, deren Uhrkästen aber von einheimischen Tischlern angefertigt wurden.


[..alles lesen]