Standesgemäße Kleidung - Plastiken der vier Landstände Tirols in der Pfarrkirche Mariahilf in Innsbruck (um  1800)

In der Pfarrkirche Mariahilf in Innsbruck haben sich vier Figurenpaare erhalten, die jeweils aus einem Erwachsenen und einer kindlichen Gestalt bzw. einem Putto bestehen. Aufgrund der Attribute und der Inschriften an ihren Konsolen können die Hauptfiguren als Heilige identifiziert werden: Es sind die Heiligen Homobonus von Cremona, Augustinus und Isidor sowie ein Schutzengel. Zugleich kann man diese Skulpturen aber auch den vier Tiroler Landständen (Landesfürst, Adel, Geistlichkeit, Bürger/Bauern) zuordnen, weil diese bei der Stiftung des Gotteshauses eine wesentliche Rolle spielten.

Aus dem Klassizismus stammende Plastiken sind Raritäten, weil die Zeitwende vom 18. zum 19. Jahrhundert von kriegerischen Auseinandersetzungen und Armut geprägt war (Koalitionskriege oder Napoleonische Kriege, 1792-1815) und daher wenige Kunstwerke in Auftrag gegeben wurden. Die vom Zirler Bildhauer Josef Klucker geschaffenen Figuren bestehen aus geschnitztem Holz und verfügen über glatte, weiße Fassungen, die den Eindruck von Marmor erwecken sollen. Damit die Skulpturen nicht eintönig wirken, wurden sie aber im Unterschied zu ihren antiken Vorbildern stellenweise vergoldet. Selbst die den Bauernstand repräsentierende und dementsprechend einfach gekleidete Figur weist vergoldete Partien auf.


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