"Watteau-Falten" - Rokokomode auf einer Kupferstichserie (1715 - 1730)

In einem Schwazer Kloster haben sich Kupferstiche erhalten, auf denen die sieben Sakramente dargestellt sind. Im Unterschied zu vielen anderen sakralen Kunstwerken in Tirol spielen hier Taufe, Buße, Eucharistie, Firmung, Ehe, Sakrament der Weihe (z.B. Bischofsweihe) und Krankensalbung aber nicht im ländlichen Milieu, sondern wurden in der gehobenen Gesellschaft angesiedelt.

Weil sich insbesondere der Adel gerne als modisch versiert darstellen ließ, eignet sich der Stich, auf dem die Hochzeitsszene abgebildet ist, besonders gut für die Datierung der Serie. Die abgebildeten Personen tragen elegante Kleider, die den aktuellsten Entwicklungen auf dem Gebiet der Mode in der Epoche zwischen 1715 und 1730 entsprechen. Auf das Ableben des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. (1638-1715) reagierte die tonangebende französische Mode nämlich mit einer regelrechten Flucht aus dem Pomp und den rigiden Vorschriften des Hofzeremoniells. Ein "Augenzeuge" der neuen Trends war der französische Rokoko-Maler Antoine Watteau (1684-1721), der über seine Bilder zu einem wichtigen Vermittler der aktuellen Modeströmungen avancierte. Nach ihm wurden auch die bald europaweit verbreiteten "Watteau-Falten" benannt.


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