Spätgotische Tischkultur - Abendmahlszenen auf Wandmalereien in Osttiroler Kirchen (ab 1484)

Darstellungen des Letzen Abendmahls nehmen in der christlichen Kunstgeschichte deshalb eine so bedeutende Rolle ein, weil die alljährlich im Zentrum der Gründonnerstagsliturgie stehende Bibelszene von der Einsetzung des Sakraments der Eucharistie handelt.

In den Osttiroler Wallfahrtskirchen zu "Unserer Lieben Frau Maria Schnee" in Obermauern (Gemeinde Virgen) und zum "hl. Korbinian" in Assling können Freskenzyklen mit der Passion Christi besichtigt werden. In beiden Kirchen wurde der Ablauf des Leidenswegs Jesu in mehreren Bildfeldern festgehalten, von denen jeweils eines dem Letzten Abendmahl gewidmet ist.

Obwohl zwischen den beiden Darstellungen rund hundert Jahre liegen, hat sich in Bezug auf die Wiedergabe der damaligen Tischsitten wenig geändert. Die Maler der Fresken gestalteten reichlich gedeckte Tafeln mit Tischdecken, auf denen gebratene Paschalämmer, Brotlaibe und Weinbecher zu erkennen sind. Im Vergleich zu heute servierte man zur Zeit der Entstehung der Fresken aber immer alle Speisen gleichzeitig und nicht verschiedene Gänge nacheinander.


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